Tag 103 (22) Rubiães – Ponte de Lima

Das ist ja schon fast Urlaub. Frühstück um 8.30 Uhr portugiesischer Zeit, da ist es schon halb zehn in Spanien. Ines, unsere Gastgeberin sagt, dass sie das Brot so spät bekommt. Aber schön, dass es überhaupt ein Frühstück gibt und heute sogar mit Chouriço und Käse. Unsere Finca, in der wir die letzte Nacht verbrachten, wir waren übrigens die einzigen Gäste, liegt etwas abseits vom Dorf, dafür direkt am Caminho. Gestern Abend fuhr uns Ines mit einer Mercedes S-Klasse ins Restaurant und holte uns auch wieder ab. Zu Fuß wären es jeweils eine Stunde gewesen. Angenehmer und edler Service.

Um halb zehn gehen wir dann schließlich los. Nachdem die heutige Standardroute nach kurzem heftigem Aufstieg einen langen steinigen Abstieg beinhaltet, entschließen wir kurzfristig, diese zu umgehen. Wir wählen einen Weg über kaum befahrene Nebenstraßen, der zwar zwei bis drei Kilometern länger ist und ebenso knackige Auf- und Abstiege aufweist, aber durchgehend einen Asphaltbelag aufweist. Nach gut der Hälfte des Gesamtweges stoßen wir wieder auf den Caminho.

Auf unserer Route sehen wir die rustikale Art der Portugiesen, der Waldbrandgefahr, die es im kommenden Sommer sicherlich wieder geben wird, vorzubeugen. Sie dünnen den Baumbestand am Straßenrand aus und verbrennen die abgesägten Bäume und Sträucher vor Ort. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht und den Waldbrand bereits im Frühjahr auslöst.

Eines hat uns auf unsere persönlichen Strecke gefehlt. Die fragenden Blicke unseres Pilgergegenverkehrs. Aber jetzt sehen wir sie ja wieder. Der Weg geht immer noch abwärts, er ist nicht mehr so steinig, mal ist er gepflastert, mal asphaltiert, und führt durch kleinere Siedlungen und Weinberge.

In einer kleinen Bar machen wir Pause und weil wir ja in der Vino Verde Region sind, nehmen wir davon ein Glas zum Bolino com Queso (Käsebrötchen). Roswitha einen weißen und zum ersten Mal probiere ich einen roten Vino Verde. Der hat es ganz schön in sich. Ein „einheimischer“ Holländer, er lebt hier seit drei Jahren mit seiner portugiesischen Frau, erklärt mir, dass dieser Wein absolut naturrein sei und von vielen Bewohnern des Ortes selbst erzeugt würde. So auch dieser, den ich nicht im Glas sondern in einer hier üblichen Porzellanschale serviert bekomme. Wir brechen auf mit zusätzlich drei Liter Wasser. Dafür und für die zwei Vino Verde, die zwei belegten Brötchen und schließlich noch einen Kaffee bezahlen wir gerade mal 6,50€. Das ist Portugal!

Der Himmel zieht zu, es kommt Wind auf und es wird merklich kälter. Die fünf Kilometer wird das Wetter hoffentlich noch halten. Und das tut es auch. Wir gehen entlang eines plätscherndes Baches und dann noch über Ortsstraßen direkt auf die historische Brücke zu, die der Stadt ihren Namen gibt. Bei Walzerklängen von Johann Strauß, die aus den Laternen der Brückenbeleuchtung schallt, überqueren wir die Lima und gelangen so direkt in die Altstadt.

Heute gönnen wir uns mal ein Hotel. Es befindet sich direkt am Fluss. Und zugleich am Caminho. Zum Abschluss des Tages werden wir uns noch ein Glas der hier in der Gegend erzeugten edlen Tropfen genehmigen.

Strecke 16,7 km, (Roswitha 19,7 km mit Weg zur Lavanderia und zurück)

2 Gedanken zu „Tag 103 (22) Rubiães – Ponte de Lima“

  1. Die Jahreszeit ist für Nordportugal ideal. Ich hoffe, ihr könnt es genießen. 1999 habe ich die Brücke auch so fotografiert. Rex war dabei.

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