Tag 105 (24) Barcelos – Rates

Es will gar nicht so richtig hell werden. Der Himmel ist bedeckt, unser Kaiserwetter scheint vorbei zu sein. Immerhin ist es noch trocken. Wenn es so bleibt, ideal zum Wandern.

Das Pilger-Inklusivfrühstück ist ganz ok, nur der Kaffee ist eine graue Brühe. Zum Glück gibt es in Portugal in den allermeisten Cafes einen ausgezeichneten Kaffee. Den holen wir auf der Strecke nach.

In der Stadt herrscht schon viel Betrieb. Ein riesiger Platz, auf welchem gestern noch reges Marktgeschehen herrschte ist jetzt ein ganz normaler großer Parkplatz. Da waren heute Nacht fleißige Heinzelmännchen am Werk. Der Hahn von Barcelos, das Wahrzeichen der Stadt, steht allerdings noch an seinem Platz. Der freundliche Portier von der Stadtverwaltung, den wir nach einem Stempel fragen, begleitet uns höchstpersönlich in ein anderes Gebäude, wo wir unsere Daseinsnachweise in unsere Pilgerausweise gedruckt bekommen.

Wir schreiten über eine Brücke und sind jetzt in Barcelinos, einem Stadtteil von Barcelos und bald verlassen wir den Ort. Dörflicher Charakter prägt unseren Weg. Die ersten Tropfen fallen aus den dicken Wolken. Schnell streifen wir die Regenschutzhüllen über unsere Rucksäcke und ziehen die Regenjacken an. Zu gut haben wir unseren Aufstieg nach Roncesvalles im Gedächtnis, als wir uns zu spät gegen den Regen schützten und unsere Sachen im Rucksack komplett nass wurden. Das soll uns heute nicht passieren.

Ein entgegenkommender Pilger meint, das wäre nicht notwendig, der Regen würde erst um fünf Ihr nachmittags einsetzen. Ein Paar Schritte weiter gibt es den heute früh vermissten guten Kaffee. Die Pause, die wir uns dafür gönnen, tut uns beiden gut. Zu sehr steckt uns der gestrige Tag in den Knochen?

Die Pflasterwege und -straßen nehmen auffallend zu. Das Gehen auf diesem unebenen und harten Untergrund ist heute nichts für unsere Füße. Einen anderen Weg gibt es nicht. Dann sind da noch ein paar verrückte Autofahrer die meinen, auf solchen Straßen müsste man besonders schnell und eng an den Fußgängern vorbeifahren.

Bald ist Mittagszeit und laut Wegbeschreibung soll es entlang dieser Strecke ein gutes Restaurant geben. Es ist gerade zwölf, als wir nach einer längeren Passage entlang einer viel befahrenen Landstraße, oft ohne Gehstreifen, darauf zusteuern. Das Restaurant hat zwei Gasträume und nachdem der erste ziemlich voll mit Pilgern ist, gehen wir in den zweiten. Dort sitzen ebenfalls schon drei Gäste. Höflich wie wir sind, setzen wir uns nicht einfach an einen freien Tisch sondern fragen, ob wir an einem bestimmten Tisch, an dem für drei Personen eingedeckt ist, Platz nehmen dürfen. In Portugal ist es üblich, dass man einen Tisch zugewiesen bekommt, bevor man Platz nimmt. Barsch zeigt die Bedienung auf einen Tisch am Eingang, auf dem sich nur zwei Gedecke befinden. Das war jetzt nicht gerade freundlich, wir setzen uns einfach. Später kommt eine portugiesische Frau in den Gastraum. Sie möchte sich an einen Tisch mit vier Gedecke setzen. Das geht jetzt anscheinend ohne Probleme, denn die Bedienung räumt die drei übrigen Teller einfach ab. In Portugal ist es auch nicht üblich, Personen, die sich nicht kennen, an einen Tisch zu setzen. Also bleiben die drei übrigen Stühle leer.

Das wurmt uns jetzt schon. Manchmal haben wir das Gefühl, sei es im Restaurant oder im Hotel, als Pilger nicht willkommen zu sein. Egal, es gibt jetzt eben kein Trinkgld. Selbst schuld. Oft vermissen wir auf diesem Pilgerweg die uns bekannte Freundlichkeit der Portugiesen.

Auch heute schlauchen uns die letzten Kilometer. Und immer am Ende einer Etappe scheint es nochmals eine Steigung extra zu geben. Rates ist erreicht und das Wetter hat bis auf die paar Tropfen von heute vormittag gehalten.

Hier gibt es unseres Wissens nach nur eine Pilgerherberge für 60 Personen. Pilger, die uns auf der Strecke entgegen kommen, berichten von einem schlecht belüfteten „Schnarchsaal“. Nix für uns! Der Wirt, in dessen Lokal wir schließlich gelandet sind um nach einer Alternative zu fragen, erzählt uns von einem Rural, in dem es Doppelzimmer mit Bad gibt. Wir schauen uns das an. Er will 50 Euro Nacht für ein dunkles und nicht gut riechendes Tiefparterrezimmer. Wir lehnen dankend ab und gehen zurück in die Kneipe. Dort steht „zufällig“ ein Taxi, welches auf Kundschaft lauert. Vermutlich gibt es dort des Öfteren Leute in unserer Situation.

Wenn wir jetzt von hier die 12 km auf den parallel verlaufenden Küstenweg nach Vila do Conde wechseln, kürzen wir nicht ab, sondern haben aufgrund des Angebotes bessere Chancen ein Quartier zu bekommen. Gedacht, gesagt, getan. Wir besteigen das Taxi und fahren ans Meer.

Die Suche nach einem Zimmer haben wir uns einfacher vorgestellt. Zuerst markiert uns die Dame von der Touristinfo diverse Möglichkeiten auf dem Stadtplan. Die ersten beiden sehen von außen schon etwas heruntergekommen aus. Da fragen wir gleich gar nicht. Das dritte gibt es an der eingetragenen Stelle nicht. Das vierte ist belegt. Dann weiter nach eigenen Recherchen: Wir sind leider voll belegt, heißt es in einem Hotel, aber da, 500 m weiter, da müsste noch etwas frei sein. Wir marschieren dort hin. Es ist etwas frei, können wir es besichtigen? – nein, gleich bezahlen! Kostet 60 Euro! Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um ein kleines Zimmer mit einem Stockbett handelt. – Danke! Nein! Mittlerweile ist es fünf Uhr vorbei und es fängt jetzt tatsächlich an zu regnen. Woher wusste das der Pilger von heute vormittag?

Zurück geht es in die Stadt. Eine Möglichkeit finden wir noch. Die Adresse fischen wir bei Booking.com ab und Volltreffer. Auf den Internetpreis gibt es noch 10 % Rabatt und das Zimmer ist Spitze. Neu, groß, modern eingerichtet und absolut sauber. Vermutlich bleiben wir hier einen Tag länger in legen morgen einen Ruhetag ein.

Strecke 20,3 km

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