Tag 110 (3) São João da Madeira – Albergaria-a-Nova

Aufgrund des Wetters machen wir uns bereits um 7.30 Uhr auf den Weg. Laut Vorhersage soll es zwischen halb elf und halb zwei regnen. Pustekuchen, bereits um acht öffnet Petrus seine Schleusen. Der Poncho schützt zwar von außen nach innen gegen den Regen, lässt aber auch von innen nach außen nichts durch. Nach den ersten Anstiegen ist man auch unter der Regenhaut klatschnass durchs schwitzen.

Im Prinzip führt uns die heutige Strecke entlang eines Bahngleises. Dieses verläuft in weiten Bögen ohne großartige Steigungen und Gefälle auf der selben Höhe. Unser Weg hingegen quert die Gleise gefühlt zehn mal und verläuft im Zickzack mal bergauf mal bergab. Nachdem wir nur zu zweit sind, haben wir mit dem Überqueren der Bahn keine Probleme (-: .

Gegen zehn wird dann der Regen so heftig, dass wir uns in eine Kneipe flüchten. Im Gegensatz zu unserem gestrigen Frühstücksaufenthalt erweist sie sich als nicht besonders angenehm. Mit der nächsten Regenpause geht es wieder an die frische Luft.

Die Wege durch die Ortschaften bieten bei diesem Wetter den Vorteil, dass man keine schmutzigen Schuhe bekommt. Es wird auch zunehmend trockener und erlaubt uns den Blick über die Hügel und Täler des südlichen Bereichs von Porto. Auch die Vorgärten mit ihrer vollen Blumenpracht trägt zur Verbesserung der Wanderstimmung bei. Ein gutes Mittagessen zu einem unschlagbaren Preis in einem eher unscheinbaren Restaurant trägt ein Übriges dazu bei.

Jetzt noch die restlichen paar Kilometer bis zum reservierten Quartier. Es ist zwar schon halb drei, aber diese Stunde Verspätung sei Petrus genehmigt. Die Sonne blinzelt durch den Wolkenhimmel. Hoffentlich bleibt es so.

Um halb fünf kommen wir an. Die Albuerge kostet gleich viel wie die Pension gestern, hält aber einem Vergleich nicht annähernd stand. Es ist eben die einzige Übernachtungsmöglichkeit weit und breit.

Strecke ca. 25 km

Tag 111 (4) Albergaria-a-Nova – Águeda

Unsere Befürchtungen haben sich leider komplett erfüllt. Es war eine schreckliche Nacht. Die Albergue liegt direkt an der N2. Die ganze Nacht donnert der Schwerverkehr in 20 m Entfernung am Haus vorbei. Das Schlimmste aber waren die Zimmer. Das erste haben wir gleich wieder verlassen, weil die Möbel derart penetrant rochen, dass man es kaum aushalten konnte. Im zweiten, in dem wir die Nacht „ausharrten“ waren die Matratzen absolut durchgelegen, so dass man jede Feder einzeln spürte. Und sauber war keines von beiden. So waren wir eine der Ersten beim Frühstück. Das war jetzt ganz ok. Gegen acht brechen wir auf.

Das mit den sauberen Schuhen war gestern. Heute ist das ganz anders. Die ersten Kilometer geht es durch einen Eukalyptuswald. Nach dem ausgiebigen Regen der letzten Tage sind die Wege ziemlich morastig. Zum Glück ist das Unterholz nicht zu dicht. So kann man die größten Pfützen umgehen. Schöner ist es trotzdem hier, als permanent durch Ortschaften zu laufen. Die bleiben uns heute auch nicht ganz erspart, das Verhältnis ist schon ausgeglichen. Ach ja, das Wetter ist heute super, 20 Grad und Sonnenschein.

Die letzten vier Kilometer vor Águeda führen uns durch ein Gewerbegebiet (für Christel: Kitur lag leider nicht auf unserem Weg). Nicht gerade der ideale Wanderweg, aber immer noch besser als an der Haupstraße entlang zu gehen. Jetzt noch ein heftiger Abstieg auf einer Asphaltstraße und schon sind wir am heutigen Ziel gegen drei Uhr angelangt. Schönes Zimmer, eigene Dusche, Sonnenschein. So sollte bei jeder Ankunft sein.

Streck ca. 24 km

Tag 112 (5) Águeda – Mealhada

Heute kommen wir uns vor wie beim Zahnarzt. Man setzt sich auf den Stuhl, obwohl man weiß, dass es gleich weh tut. Wir gehen los, es regnet und wir wissen, dass wir gleich pitschnass sein werden. Nach einer halben Stunde ist es soweit. Doch jetzt von vorne:
Das Hotel in Aguada gehört zu den guten auf unserem Weg. Preis/Leistung super. Alles sauber, komplett ausgestattet und wir haben sogar einen kleinen Balkon. Auch das Frühstück passt. Wir sind hin- und hergerissen, sollen wir gehen, sollen wir einen Tag abwarten oder fahren wir mit dem Bus gleich nach Coimbra und warten dort ab. Wir entscheiden uns für ersteres, was vielleicht nicht die beste Wahl war. Zu Anfang regnet es normal, nach zwei Kilometer stark und das bleibt mindestens weitere zehn Kilometer so. Zu Anfang läuft uns das Wasser über den Poncho auf die Hosenbeine und von dort in die Schuhe. Also sauber sind sie heute auch, aber, dass sie jetzt auch von innen gewaschen werden, war nicht beabsichtigt. So langsam sind auch die Hosenbeine durchnässt und das Wasser steigt nach oben, bis auch die Unterhose klatschnass ist.

Die Route führt uns entlang einer der vielen Rotas de vinho, die es in Portugal gibt. Wir gehen an einigen schönen Quintas vorbei, es gibt aber auch einige, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Eine Weinprobe verschieben wir auf einen späteren Zeitpunkt. Heute bleiben wir besser auf Betriebstemperatuŕ, im Gleichschritt Richtung Süden.

Laut sage ich, ich wünsch mir nichts mehr als trockene Klamotten. Und wie es der Zufall will, biegen wir um die nächste Ecke und stehen vor einer Lavanderia. Also nichts wie rein und umziehen. Dass hier noch andere Leute ihre Wäsche waschen, stört uns dabei wenig. Heute früh haben wir sicherheitshalber unsere Wechselsachen zusätzlich in einer Plastiktüte verstaut. Das zahlt sich jetzt aus. Die nassen Klamotten kommen in die Maschine, wir – frisch trocken gelegt, gehen ins nebenan gelegene Cafe und wärmen uns mit einem Apadanado pingado, einem großen Kaffee im einem Schuss Milch. Eine Ecke Pizza gibt es obendrein, es ist ja schon nach Mittag.

Die Wäsche ist fertig. Es regnet weiterhin. Bis zum Quartier sind es noch ca. 10 km. Also nochmals nass werden, das geht gar nicht. Wir steigen ins Taxi und lassen uns fahren. Das Quartier sieht von außen nicht besonders einladend aus, doch nach einem Zimmerwechsel, im ersten hat der Vorgänger wohl geraucht, sehen wir einer guten Nacht entgegen.

Gerade noch sitzen wir im Restaurant nebenan und wärmen uns mit einer heißen Gemüsesuppe. Leider gibt es das für diese Region bekannte Leitão, das gegrillte Spanferkel, heute nicht.

Strecke ca 15 km zu Fuß, 10 km mit Taxi

Tag 113 (6) Mealhada – Coimbra

Hotel so lala, Frühstück ok. Das Wetter ist heiter bis wolkig. Dann lasst uns loslegen.

Eukalyptus bei Vimeira südl. Mealhada

Schon die ersten Kilometer zeigen, dass Portugal nicht nur aus Städten und Dörfern besteht. Auf kaum befahrenen Nebenstraßen geht es durch Mischwälder mit riesigen Eukalyptusbäumen und Kiefern und durch Landschaften mit grünen Wiesen und Weinfeldern. So haben wir es uns vorgestellt. Ab und zu mal ein kleines Dorf. Einfach schön.

Wenn einmal die blauen Pfeile nicht eindeutig sind, fragen wir die Leute auf der Straße. Der eine sagt links, die andere rechts. Allzuviel scheinen die Einheimischen vom ruhigen Weg nach Fatima, oder in umgekehrter Richtung nach Santiago, nicht zu halten. Ein Blick auf den GPX-Track auf dem Handy bringt Klarheit. Einfach geradeaus weiter.

Die Leute auf der Straße haben auch recht. Sie verweisen nur auf den Weg, den die Portugiesen so gerne gehen, entlang der Hauptstraße, der IC2. Für viele einheimische Pilger zählt das Ziel, nicht der Weg. Und es muss schnell gehen, deshalb gehen sie oft nachts wenn der Verkehr etwas nachlässt und dann noch mit sehr wenig Gepäck. Der Rest einschließlich Verpflegung wird im Begleitfahrzeug transportiert.

IC2 Santa Luzia

Auch unsere Etappe führt uns heute auf einer kurzen Strecke entlang der Nationalstraße. Wir sind froh, dass nach ein paar hundert Metern der blaue Pfeil nach rechts zeigt. Es geht durch ein Dorf. Die Sonne scheint, es ist warm und das macht durstig. In einer kleinen Bar gibt’s ein Sagres Limaõ, ein Radler mit Zitronengeschmack. Das erfrischt und löscht den Durst.

Strelizien in einem Vorgarten in Santa Luzia

Am Ende des Dorfes sind schon die Häuser von Coimbra zu erkennen. Das sind aber noch einige Kilometer. Dichte Wolken ziehen sich zusammen. Wenn das auf uns zukommt, werden wir nass. Jetzt heißt es Einkehrschwung, das nächste Restaurant befindet sich gerade auf der anderen Straßenseite, oder weiter marschieren. Es sind ja nur noch ein paar Kilometer und allzu schlimm wird es schon nicht werden. Wir entscheiden uns fürs Weiter. Hundert Meter später erwischt uns schon ein heftiger Schauer. Umkehren? Nein! Es sind nur noch zwei Kilometer bis Coimbra. Etwas nass, zum Glück nur von außen, erreichen wir das heutige Tagesziel.

Die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind ziemlich schlecht, der Portugiese sagt mau. Wir brechen deshalb ab und nehmen den Bus nach Fatima. Unser Auto steht noch wohlbehalten in der Tiefgarage des Anjo de Portugal. Eineinhalb Stunden später sitzen wir in unserem Wohnzimmer.

Strecke ca. 22 km (heute wieder alles zu Fuß)

Tag 114 (1) Coimbra – Rabaçal

Lange überlegten wir, wie wir die letzten ca. 200 km bis Escravilheira angehen wollen. Auf dem portugiesischen Jakobsweg und der Strecke über Fatima, diese sind zum großen Teil identisch, sind die Übernachtungsmöglichkeiten nicht so nach meinem Geschmack. Also ein Matratzenlager bei der Feuerwehr muss ich mir mit meinen fast 68 Jahren nicht mehr antun. Roswitha hat damit weniger Probleme. Sie kennt diesen Weg ja schon aus eigener Erfahrung. Vor ein paar Wochen fuhren wir eine neuen, selbst zusammengestellte Route ab. Es wäre ein Küstenweg von Coimbra über Nazare und Obidos. Hier wären wir verstärkt auf Touristenquartiere angewiesen gewesen. Und das neun mal. Das ginge ganz schön auf den Geldbeutel. Alternative: Wir machen das mit dem Fahrrad. Mit drei Übernachtungen wäre das zu schaffen gewesen. Doch mit unserem neuen Wohnmobil ergibt sich eine ganz andere, sehr komfortable Lösung:

Gestern fuhren wir nach Coimbra und verbrachten die Nacht neben sicherlich 20 weiteren Wohnmobilen am Strand des Mondego. Der Camper bleibt heute früh dort stehen und wir brechen gegen halb acht auf in Richtung Fatima. Mit gerade mal 3-4 kg Gepäck, der größte Anteil davon ist Wasser, erreichen wir ein Cafe mit einer tollen Aussicht auf Coimbra. Jetzt dürfen wir das auch erfahren, wie leicht und komfortabel es sein kann, ohne großen Rucksack zu pilgern.

Mit der Routenbeschreibung mach ich es mir heute mal einfach. Soviel muss aber doch noch sein. Es war zwar eine lange aber eine unserer schönsten Etappen, die wir auf unserem Weg von Ostfildern bis hierher erleben durften. Es hat alles gepasst. Herrliche Landschaften, kaum Asphalt und 20 Grad bei leicht bewölktem Himmel. Nur manchmal gab es einen frischen Wind, der uns vom Pause machen abhielt. Nach rund acht Stunden Gehzeit liegen jetzt 31 km hinter uns und wir sind frisch geduscht. Wie war das möglich? In Rabaçal angekommen, gab’s im Cafe noch einen Tosta mixta und ein kühles Imperial. Die Wirtin organisierte uns ein Taxi, welches uns nach Coimbra zurück brachte. Nach einer halben Stunde stiegen wir in unsere eigenen vier Wände und fuhren nach Ansiao, unserem morgigen Ziel. Jetzt noch ein paar Fotos von einer wirklich schönen Etappe.

Strecke 31,0 km

Tag 115 (2) Rabaçal – Ansião

Zehn vor acht steht unser Taxi vor der Tür, wie mit Sr. Fernando, unserem gestrigen Taxista vereinbart. 20 Minuten später sind wir an unserem Cafe in Rabaçal. Den freundlichen Chauffeur laden wir noch zum Frühstück ein. Drei belegte Brötchen und drei Tassen Kaffee bezahlen wir 4.80 €. Da kann man nicht meckern.

Kurz vor neun liegen rund 17 km Weg vor uns, heute etwas hügeliger. Am Ende kommen ca. 400 m Anstieg zusammen. Auch heute wieder ein toller Weg.

Nach ein paar hundert Metern ebener, so gut wie nicht befahrener Straße geht es in das Hügelland westlich von Rabaçal. Ein schmaler Fußweg führt uns bergauf bergab durch eine herrlich ruhige und blühende Landschaft.

Wir queren die Haupstraße und steigen hinauf nach Alvorge, ein kleines Dorf mit Kirche und Bar. Es ist mittlerweile elf vorbei. Eine kleine Stärkung in flüssiger Form tut uns gut.

Mittlerweile ziehen dunkle Wolken auf. Obwohl nur 20 Grad warm, ist es ein wenig schwül. Oder sind es doch die Hügel, die uns ins Schwitzen bringen? Der Rest der Strecke führt durch Mischwälder mit Kork- und Steineichen, Kiefern und Eukalyptus. Die Luft ist klar und von oben bleibt es trocken. Seit Coimbra ist der Weg absolut super markiert. Alle paar hundert Meter ist ein Kennzeichen sichtbar. Alle paar Kilometer sogar die Reststrecke bis Fatima. Verlaufen kann man sich kaum. Ach ja, dieses Mal habe ich wieder den Garmin dabei. Es ist immer wieder gut zu wissen, welche Streche man schon gegangen ist und was einem noch bevor steht.

Vor unserem heutigen Ziel leiten uns die Markierungen auf eine andere Route als am dem Garmin vorbereitet. Trotzdem sehr schön, aber drei Kilometer weiter.

Gegen zwei erreichen wir Ansião. Nachdem es in Portugal üblicherweise bis drei Mittagessen gibt, halten wir Ausschau nach einem Restaurant. Google ist uns da behilflich. Wir wählen das Ristaurante Adega Tipica. Hört sich erstmal gut an. Und wie es der Zufall will, wird das Restaurant von zwei deutsch sprechenden Portugiesen geführt, die in Erbach bei Darmstadt aufgewachsen sind und die Partnerschaft mit dieser Stadt organisiert haben. Super Menü, Oliven und Brot als Vorspeise, danach geschmortes Rindfleisch mit Reis, Pommes und Salat und zum Schluss noch ein Dessert nach Wahl. Den obligatorischen Kaffee gibt es obendrein. Alles für 20 € für uns beide zusammen :-).9

Und jetzt noch Bericht schreiben und chillen vor der eigenen Haustür.

Strecke 20,4 km

Tag 116 (3) Ansião – Caxarias

Nebenan im Park läuft seit gestern das „festa do livro“, das Fest des Buches, eine Veranstaltung mit Musik und Aufführungen. Unser Stellplatz, ein asphaltbefestigter Allzweckplatz wird als Parkplatz genutzt. Ca. 100 Autos stehen um unser Nachtquartier herum. Wir schlafen wohl wie Murmeltiere. Kein einziges Auto hören wir heute Nacht den Platz verlassen. Der Wecker klingelt um 6.30 Uhr. Unser Womo steht allein auf der riesigen Anlage.

Das Wetter spielt ganz toll mit. Frühstück gibt es unterwegs. Um 7.30 haben schon mehrere Cafes in Ansião geöffnet. Wir nehmen gleich das erste auf unserem Weg vom Auto ins Zentrum. Um acht geht es dann richtig los. Mein Garmin meint, es sind 29,9 km bis Caxarias. Schon nach dem ersten Kilometer zeigt die Markierung nach Fatima nach rechts. Garmin sagt geradeaus. Wir halten uns an die Markierungen, die uns wieder auf ruhige und angenehm zu gehende Wald- und Feldwege führt. Den angezeigten GPX-Track, erreichen wir erst wieder am Zielort.

Leider sind die Markierungen am Wegesrand nicht mehr so leicht erkennbar. Und es kommt so wie es kommen musste. Mühsam keuchen wir einen Berg hinauf. Oben angekommen steht die Quinta Vida Verde, ein B&B mit einer herrlichen Aussicht ins Land, welches von einer holländischen Familie betrieben wird. Die freundliche Wirtin macht uns darauf aufmerksam, dass wir auf dem falschen Weg sind. Wir haben doch tatsächlich eine Markierung übersehen. Monique, ihren Namen fand ich im Internet, bietet uns an, uns über ihr Grundstück wieder auf den richtigen Weg zu begleiten. Das nehmen wir natürlich gerne an. Auf dem Weg erzählt sie uns von den verheerenden Wadbränden von vor drei Jahren. Ganz in der Nähe ihres Hauses ist auch ein ganzer Hang abgebrannt. Auch nennt sie uns die Website, auf welcher Details zum B&B zu erfahren sind und auch gebucht werden kann. Wir verabschieden uns. Jetzt kennt auch sie die Adresse unseres Blogs.

Zurück auf dem Weg geht es weiter entlang eines ausgetrockneten Bachbettes. Wir sind jetzt ungefähr bei km 15 als wir auf eine wenig befahrene Landstraße einbiegen. Der Himmel schickt uns hier auch noch ein Gasthaus gegen unseren Durst. Es ist bereits halb zwölf und die Wirtin schreibt mit Kreide die Tageskarte auf eine große Tafel. Das regt unseren Appetit an und wir nutzen die Gelegenheit.

Nach gutem Essen und einem halben Liter Vino Verde geht es weiter Richtung Süden. Der schönere Teil der heutigen Strecke liegt wohl hinter uns. Der Anteil an Asphaltstraßen wird zusehends größer. Zum Glück ist aber kaum Verkehr. Auch geht es nun durch weniger ansehliche Waldbrandgebiete.

Nach rund 25 km verlassen wir das verbrannte Land und erreichen ein kleines Dorf. In der Kneipe gibt es noch etwas gegen den Durst. Roswitha trinkt Wasser, ich versuche mit Hilfe von Coca Cola die notwendige Power zur Erreichung des heutigen Zieles zu erhalten. Nach ein paar Minuten geht es weiter. Im nächsten Dorf begrüßt uns eine Kirche mit dem Geläut des Fatimaliedes. Das Geläut erklingt aus den im Glockenturm montierten Lautsprechern. Es klingt so echt, es fällt kaum auf.

Jetzt noch drei Kilometer bergauf, bergab und wieder bergauf auf einer breiten unbefestigten Straße. Die Fahrer der wenigen Autos, denen wir auf diesem Abschnitt begegnen, fahren sehr rücksichtsvoll an uns vorbei und wirbeln kaum Staub auf. Dankeschön!

Gegen halb fünf laufen wir mit insgesamt 555 m Anstieg und 2 km mehr als geplant in Caxarias ein, direkt auf eine Bar zu. Jetzt genehmigen wir uns ein Imperial, ein kleines frisch gezapftes Bier.

Ein junger Mann kommt auf uns zu. Er stellt sich vor als ein in Baden geborener portugiesischer Schwabe. Er erzählt uns von seiner Wanderleidenschaft und wir erklären ihm die vor ihm liegende Strecke bis Coimbra. Er ist nämlich auf dem Weg Richtung Porto. Wir schwärmten natürlich vom Weg zwischen Coimbra und Ansião. Kurz entschlossen fährt er daraufhin mit uns zusammen mit dem Taxi nach Ansião. Da seine zur Verfügung stehende Zeit begrenzt ist, will er auf weniger attraktive Strecken verzichten. Wir verabschieden uns im Stadtzentrum. Er geht in eine Herberge, wir zum Wohnmobil. Wir fahren nach Fatima nicht ohne vorher in Batalha auf dem dortigen Stellplatz unser Abwasser zu entsorgen und Frischwasser nachzutanken. In Fatima ist das leider nicht möglich.

Strecke 32,0 km

Tag 117 (4) Caxarias – Fátima

Leider fährt der Bus von Fátima nach Caxarias nur werktags. Uber bietet hier nicht an. Es bleibt also wieder nur das Taxi. Dafür haben wir gut im eigenen Bett geschlafen. Nach rund 30 km zum Preis von 28€ erreichen wir unseren heutigen Startpunkt. Nachdem unsere heutige Strecke nur 20 km beträgt, stellen wir fest, dass der Taxifahrer mit der IC 2 den schnellsten Weg, aber nicht den kürzesten genommen hat. Die 5€ mehr sollen ihm gut tun.

Nach einem Kaffee und einem Croissant ist der kurze Ärger auch schon wieder verflogen. Nach den ersten Schritten stellen wir fest, dass der Garmin schon wieder in eine andere Richtung will. Wir halten uns eisern an den blauen Pfeil. Irgendwann werden wir wieder zusammen kommen. Von der ersten Anhöhe gibt es noch einen schönen Blick über den Ort, übrigens mit dem nächstgelegenen Bahnhof von Fátima.

Oli, unser portugiesischer Schwabe von gestern hatte uns schon vorgewarnt. Heute soll der Weg hauptsächlich über normale Straßen verlaufen. Und so ist es auch. Sie sind kaum befahren außer von vielen Mountainbikefahrern, die sich in einheitlichen Shirts wohl auf einer Sternfahrt befinden. Andes können wir es uns nicht erkären. Mal kommen sie von vorne, mal von hinten.

Und dann sehen wir sehr kleine Pilger. Der Weg der Ameisen ist ähnlich einem Pilgerweg so schön ausgetreten. Viele Füße machen den Weg.

In einer kleinen Siedlung treffen wir auf einen älteren Herrn, der eine Harke in der Hand trägt. Von einem mit reifen Orangen voll hängenden Baum versucht er damit einige Früchte für uns zu pflücken. Leider erreicht er sie nicht. Sein Sohn sieht dies von der anderen Seite der Straße. Er ruft uns etwas zu. Nach zwei Minuten kommt er mit einer Plastiktüte gefüllt mit frisch geernteten Orangen. Er schenkt sie uns. Wir einigen uns auf vier Stück, denn er sieht selbst, dass sein Geschenk nicht in unsere kleinen Rucksäcke passt. Mit einem festen Händedruck verabschieden wir uns und bedanken uns für die freundliche Geste.

Kurz vor Mittag kommen wir an einem Cafe vorbei. Draußen wie drinnen alles Männer, die sich bei laufenden Fernsehern lautstark unterhalten. Es ist mit 20 Grad nicht gerade heiß, aber Wandern macht durstig. Roswitha nimmt den schon fast obligatorischen Kamillentee, ich gönne mir ein Bierchen. Ein Gast nach dem anderen verabschiedet sich. Aus ein paar portugiesischen Wortfetzen entnehmen wir, dass sie nun nach Hause zum Mittagessen gehen. Jetzt wird alles klar. Die Männer warten beim Frühschoppen bis die Frauen zu Hause mit dem Kochen fertig sind. Unser Mittagessen gibt es in Form von Vesperbroten, die wir uns in der Frühe vorbereitet hatten, ein paar Schritte weiter auf einem Rastplatz mit Tischen und Bänken. Eine portugiesische Großfamilie war ebenfalls schon da. Bei denen gab es Eintopf mit Brot.

Mittlerweile haben sich mein Garmin und die aktuelle Wegmarkierung wieder zusammengefunden. Noch rund neun km bis Fátima. Also mehr als die Hälfte ist geschafft. Die asphaltierte Straße geht über in einen Schotterweg. Den ganzen Weg geht es heute bergauf und etwas weniger bergab. Am Ende sind es 629 m im Anstieg und 414 m im Abstieg. Für 20 km ganz schön heftig, zumindest was die Strecke von Coimbra bis hierher betrifft.

Ein letzter steiler Anstieg auf Schotter und die ersten Häuser eines Vorortes von Fátima säumen den Weg. Die letzten 5 km geht es entlang einer befahrenen kurvigen Landstraße. Man muss da ganz gut aufpassen, besonders wenn die Autos von hinten und vorne kommen. Doch dann ist dieser Abschnitt geschafft. Das Santuário de Fátima ist erreicht. Mal sehen, ob wir den Rest bis Escravilheira dieses Jahr auch noch angehen.

Strecke 20,9 km

Tag 118 (1) Fátima – Alcobaça

Ohne große Überlegung geht es auf den Rest unseres Abenteuers, von Fátima bis Escravilheira,. Nachdem dieser Weg nicht markiert ist, musste ich schon noch ein bisschen vorplanen. Dazu gibt es GPSies, ein Onlinetool zur Planung von Wanderstrecken und Radtouren. Mit ein paar Klicks auf die Hauptorte der Wegstrecke lässt sich relativ schnell ein GPX-Track erstellen. Von den beiden erstellten Varianten wählten wir die Route über Alcobaça und Caldas da Reinha. Die Rio Mayor-Strecke ist 10 km länger und weist wesentlich mehr Auf- und Abstiege auf.

Gestern fuhren wir wieder mit dem Womo nach Fátima. Nach einer ruhigen Nacht geht es heute früh durch das Santuario Richtung Westen.

Nach zwei Kilometer in São Mamede gibt’s einen Kaffee bevor es 15 Kilometer hinab ins Tal nach Porto de Mós geht. Wunderschöne Ausblicke bei wunderschönem Wanderwetter erwarten uns auf dieser Teilstrecke. Wo in Porto der Mós der Hafen sein soll erschließt sich uns nicht. Es gibt hier einen kleinen Bach mit einer super angelegten Parkanlage und eine markante Burg.

Bergabgehen geht ganz schön in die Beine und wir spielen mit dem Gedanken, es für den ersten Tag gut sein zu lassen. Auf einer Parkbank verspeisen wir unsere mitgebrachten Vesperbrote. Diese Stärkung vollbringt jedoch ein kleines Wunder. Wir gehen weiter auf den asphaltierten Nebenstraßen.

Nachdem wir die IC 2, die Hauptverbindung zwischen Lissabon und Porto zu der Zeit, als es noch keine Autobahn gab, überqueren, geht es erst mal auf landwirtschaftlichen Wegen weiter. Hier ist sogar der Weg in Richtung Nazaré markiert.

Doch mal geht es hoch mal runter, mal einen großen Bogen nach links und dann wieder nach rechts. Unser Stundenschnitt fällt ganz schön in den Keller und wir sind fast froh, als wir wieder auf die Straße kommen und ein paar Kilometer mit dem Autoverkehr mitfließen.

Vor der IC9, die nach Nazaré führt, biegen wir rechts ab auf eine kleine Nebenstraße. Sie führt uns entlang der Autobahn und nach ein paar Kilometer unter ihr hindurch. Noch drei Kilometer Schotterweg und wir erreichen das Monesteiro von Alcobaça.

Jetzt halten wir Ausschau nach einem Taxi, welches uns wieder zurück nach Fátima bringen soll. Die Auswahl ist überschaubar. Gerade mal ein Solches steht am Stand. Ein älterer Herr ist sein Chauffeur. Wir laden ihn zu einem Kaffee ein und hoffen auf ein besseres Verhandlungsergebnis. Doch unter 40 Euro bringen wir ihn trotz dieser Bestechung nicht. Also fahren wir los im 200er Mercedes Diesel älteren Baujahres. Der jedenfalls schnellste und wahrscheinlich auch der kürzeste Weg führt auf den in den letzten Jahren neu gebauten Schnellstaßen von Alcobaça nach Fátima.

Unser Taxista versucht mit stoischer Ruhe diese Straßen zu umfahren. Durch die Ortschaften braust er mit 80. Die Ampeln, die Schnellfahrer ausbremsen und bei Annäherung mit über 50 km/h auf rot umschalten kennt er alle. Jedenfalls stehen alle, die wir passieren auf grün.

Mittlerweile wird es dunkel und seine Fahrweise wird immer unsicherer. Er fährt rechts ran und kramt nach der Brille und setzt sie auf. Die Sicht wird anscheinend nicht besser. Zuerst wischt er mit den Fingern über die Brille und dann über die Frontscheibe. Er startet wieder und fährt an der Ausfahrt zur Schnellstaße nach Fátima vorbei Richtung Batalha. Er meint das sei kürzer und schneller. Doch auch die Straße von Batalha nach Fátima wurde im Zuge des Neubaus der Schnellstaße umgebaut. Auf halbem Weg werden wir doch noch auf die vom Taxista ungeliebte Schnellstaße geführt. Und jetzt kommt das Höchste. Mit gerade mal 40-50 km/h fährt er auf dieser Straße. Autos brausen an uns mit 120 vorbei. Auf den 2-spurigen Bereichen wird die Mittellinie durch reflektierenden und „singenden“ Metallmarkierungen unterstützt. Manchmal fährt er mit seinen 40-50 km/h auf diesen, manchmal sogar über diese hinweg. Dass bereits 10 Autos hinter ihm herkriechen stört ihn nicht oder er merkt es gar nicht. Gott sei Dank kommt jetzt die Ausfahrt nach Fátima. Erst als die Lampen entlang der Straße die Fahrbahn beleuchten, fühlt er sich wieder wohl. Trotz der hier erlaubten 50 rast er wieder mit 80 durch die Ortschaft.

Ich lotse ihn noch bis zum Parkplatz beim Santuario, bezahle die 40 Euro und wir beide sind heilfroh unbeschadet wieder aus dem Taxi aussteigen zu können. Auf jeden Fall habe zumindest ich die letzte Stunde mehr geschwitzt als auf unserem heutigen Gewaltmarsch. Roswitha geht es nicht viel anders. Wir wünschen dem alten Herrn noch einen guten Nachhauseweg, sind uns aber nicht sicher, ob er dies auch wirklich schafft.

Strecke 37,1km!

Tag 119 (2) Alcobaça – Caldas da Rainha

Zuerst verlegen wir unser Nachtquartier an einen neuen Standort. Dazu fahren wir unsere gestrige Strecke nochmals ab und sind bereits gegen 9.00 Uhr auf einem großen Parkplatz in Caldas da Rainha. Bevor wir mit dem Taxi zurück zum Start nach Alcobaça fahren, gibt es noch einen Milchkaffee und ein Käsebrötchen im nahegelegenen Cafe.

Dort angekommen haben wir die Möglichkeit am gerade laufenden 10.000 Meter Stadtlauf teilzunehmen. Doch wir wollen es nicht übertreiben. Die gut 25 km, die vor uns liegen sind mehr als genug.

Unseren gestrigen Taxifahrer treffen wir leider nicht. Hoffentlich ist er gut nach Hause gekommen. Wir verlassen Alcobaça. Durch die Stadt ist die Straße abgesperrt und wir teilen sie uns mit den Läuferinnen und Läufern. Danach trifft uns für rund drei Kilometer der Autoverkehr auf einer recht schmalen Haupverkehrsstraße. Zum Glück ist Sonntag und der Schwerverkehr macht da auch in Portugal Pause.

Weiter geht es auf Nebenstraßen durch recht ländliches Terrain. Die Weinlese ist bereits erfolgt, die Birnen sind auch schon geerntet, nur Äpfel hängen noch dicht an dicht an den Bäumen.

Cafes sind heute dünn gesät. Das Wetter ist bewölkt und recht windig. Die 20 Grad bringen uns nicht großartig ins Schwitzen. Die Waden spannen, mal ist es das Knie, mal der Knöchel der schmerzt. Die gestrige Etappe steckt uns mehr in den Knochen, als wir heut früh wahrhaben wollten.

Eine verkürzte Mittagspause gibt es am Wegesrand. Zwei Bananen und einen Müsliriegel, den wir uns redlich teilen, muss heute reichen. Ach ja, zwei stibizte Äpfel gibt es auch noch. Wie gesagt, Cafes sind heute rar und ein Restaurant ist uns leider auch nicht begegnet. Einen Kilometer weiter kommt dann doch noch unser erhofftes geöffnete Cafe. Aber jetzt wollen wir nicht mehr. Warum steht es nicht an unserem Mittagsrastplatz?

Mittag ist gut, es ist schon drei Uhr vorbei und rund 12 km liegen noch vor uns. Nachdem wir heute auf Winterzeit umgestellt wurden, fehlt uns eine Stunde bis zum dunkel werden. Also halten wir uns ran.

Weiter geht es auf kleineren und größeren Nebenstraßen mit kaum Verkehr. Die Häuser werden schöner, die Vorgärten gepflegter. Die Stadt kommt näher. Nur das inakzeptable Hundegebell lässt nicht naçh. Es gibt kaum einen Garten in dem nicht zwei, drei oder noch mehr Hunde kläffend die Gartenzäune hochspringen, angeleint an ihren Ketten zerren, dass es ihnen bald den Hals zuschnürt oder bellend an den Zwingerwänden scharren. Wir sind uns mittlerweile sicher, dass es in Portugal mehr Hunde als Menschen gibt.

Caldas da Rainha liegt jetzt vor uns. Noch zwei schmerzhafte Kilometer bergab, die Oberschenkel brennen. Geschafft erreichen wir unser Nachtquartier, sind an unserem Womo und sehen einen wunderschönen Abendhimmel.

Strecke 27,0 km