Tag 120 (1) Caldas da Rainha – Campelos

Aufgeht es zum Finale unserer Tour von Stuttgart nach Lissabon.

Wir sind wieder mit dem Womo unterwegs. Nach einer Nacht in Campelos holen uns Edith und Werner, ein befreundetes Schweizer Ehepaar vom Montejunto, mit ihrem Auto ab und bringen uns zum heutigen Start nach Caldas da Rainha.

Auf dem Kalender steht zwar 5. Februar, aber das Wetter ist ideal für unsere Tour, ca. 15° und leicht bewölkt. Wir starten im Zentrum gegen 9.00 Uhr. Nach einem Kilometer verlassen wir bereits die Stadt auf einer kaum befahrenen Asphaltstraße.

Wir unterqueren die Autostrada do Oeste und schon bald kommen die Mauern von Obidos in unser Blickfeld. Nachdem uns der heutige Weg westlich dieses portugiesischen Kleinods vorbeiführt, sehen wir die Burg aus einer neuen Perspektive.

Obidos Westseite

Kurz darauf erreichen wir ein Dorf. Eine Tasse Kaffee würde uns jetzt gut tun. Wir fragen danach bei einem Passanten. Wir haben Glück, das einzige Cafe befindet sich 50 m weiter in einer Nebenstraße. Ein Apadanado (Kaffee mit einem Schuss heißer Milch) und ein Sandes con Queso (belegtes Brötchen mit Käse) sind unser Standardfrühstück. Die Pause nach ca. 7 km tut gut.

Es hilft nichts, wir müssen weiter, wenn wir vor Einbruch der Dunkelheit am Womo sein wollen. Die Tage zu dieser Jahreszeit sind kurz.
Nach dem Dorf geht es ein Stück entlang der Autobahn. Wir unterqueren die Abzweigung nach Peniche und gehen ein Stück entlang der Bahnlinie Linha do Oeste, Und hier sind sie wieder, die laut bellenden Hunde. Dieses Mal sogar freilaufend und keifend auf uns zukommend. Da kann einem schon mulmig werden. Zum Glück werden sie zurück gepfiffen und mit einem Schauer im Rücken und etwas schnellerem Schritt geht es rechts ab in Richtung Rolica. Über eine schmale Brücke kommen wir zum Ortsanfang.

Ab hier geht es die nächsten Kilometer auf Feld- und Wiesenwegen rund 100 Höhenmeter bergauf. Unsere Trainingsdefizite machen sich gnadenlos bemerkbar. Geschafft! Es geht auf ebener Strecke weiter, unserer Mittagspause entgegen.

Wir lassen uns auf einer Holzbank vor einer Kapelle nieder und lassen uns an die mitgebrachte Brotzeit schmecken. Der Baum in Sichtweite gehört vermutlich zu einer älteren Generation. Sein Umfang beträgt mehrere Meter. Er steht in Azambujera dos Carros ein paar Kilometer westlich von Bombarral.

Ab hier gehen wir wieder auf Asphaltstraßen, bergauf und bergab. Die ersten Bauern bestellen bereits ihre Felder. Ja in Portugal kehrt der Frühling etwas früher ein. Die Wiesen sind in dieser Jahreszeit erfrischend grün. Der Himmel ist etwas diesig. Das deutet auf beständiges Wetter hin.

Montejunto bis 666m üNN

Die Beine werden immer müder. Auf zum Endspurt: Vor uns der letzte große Anstieg auf den Höhenrücken von Campelos. Aber auch dieser wird gemeistert. Das Ortsschild ist erreicht. Ab hier noch rund einen Kilometer durch die langgezogene Ortschaft und wir erreichen unser Wohnmobil. Schön, sein eigenes Bett dabei zu haben.

Ortsanfang Campelos

Strecke 31,0 km

Tag 121 (2) Finale: Campelos – Escravilheira

Die Nacht war ruhig. Mit unserem Womo stehen wir direkt neben einer Tankstelle mit Cafe. Das nutzen wir aus und holen heute unser Frühstück ans Bett. Das Wetter ist wie erwartet, nicht zu warm und blauer Himmel. Ein toller Rahmen für unsere finale Etappe.
Nur ein paar Schritte und wir verlassen das Dorf nach Südwesten. Auf Erdwegen geht es durch Felder und Wälder. Auch hier treffen wir auf Bauern, die ihr Land bestellen. Andere sind immer noch mit Rodungen entlang der Ortsstraßen beschäftigt, eine vom Staat verordnete Maßnahme auf Grund der vielen Waldbrände im vergangenen Jahr.

See bei Campelos

Wir erreichen die Straße Torres Vedras – Lourinha. Unser Weg führt entlang dieser stark befahrenen Hauptverkehrsstrecke. Zum Glück sind es nur wenige hundert Meter bis es wieder durch einen Wald nach A dos Cunhados geht. Ein schöner Park mit angrenzendem Womo-Stellplatz lädt uns zu einer frühen Mittagspause ein. Ganz in der Nähe arbeitet Claudia, eine liebe portugiesische Bekannte, die sehr gut deutsch spricht und uns schon des Öfteren hilfreich zur Seite stand. Auch heute hilft sie uns spontan. Sie bietet an uns nach Campelos zu fahren um das Wohnmobil hierher nach A dos Cunhados zu bringen. Heute Abend haben wir es dann nicht mehr so weit um es von zuhause aus abzuholen. Gesagt, getan.

Nachdem das Auto abgestellt ist geht es ohne weiteren Aufenthalt auf Feldwegen Richtung Ziel. In einer Bar gibt es dann doch noch eine kleine Rast. Jetzt, nach der Gemeindegrenze des Nachbardorfes unseres portugiesischen Domizils, darf es dann schon mal ein Bierchen sein. Zudem ist es bereits nachmittags.

Lange halten wir uns in der Kneipe nicht auf. Das Ziel ist schon nah. Die Vorfreude darauf ist groß. Eine Ziegenherde führt uns nach Silveira. Dort geht es vorbei an Christels Haus. Viele Kommentare von ihr auf diesem Blog spornten uns die letzen rund 3.000 Kilometer des Öfteren an. Eine kleine Einkehr ist da obligatorisch.

Ziegen auf Tour

Und jetzt die letzten Kilometer auf einer Strecke, die wir schon häufiger zu Fuß gemacht haben. Hinunter zum Bächlein Rio Sizandro, entlang des staubigen Wirtschaftsweges, auf dem uns so mancher Autofahrer schon so oft eingestaubt hat und über den Holzsteg, den ich selbst in Open Street Map kartiert hatte. Die letzten Meter auf den seit ein paar Jahren asphaltierten Wegen hinauf nach Casal da Pinheiro. Von hier sehen wir auch schon unser Dorf Escravilheira. Jetzt noch über die Hauptstraße drüber. Wir sind da, wir haben es geschafft, von Tür zu Tür. Ein tolles Gefühl.

Geschafft: Von Tür zu Tür

Strecke 25,6 km